Einfluss des Menschen auf den Pfäffikersee

Der Pfäffikersee war in seiner jüngeren Geschichte oft stark überdüngt und hatte zu wenig Sauerstoff. Seit den 80er-Jahren hat sich die Wasserqualität dank diverser Sanierungsmassnahmen stark verbessert. Der Nährstoffgehalt konnte auf ein gesundes Mass gesenkt werden. Der Sauerstoffgehalt ist noch nicht optimal, doch der Ausblick ist positiv.

Prozentualer Anteil im Einzugsgebiet

FlächeAnteil
Naturnahe24,1 %
Landwirtschaft50,7 %
Feuchtgebiet7,9 %
Siedlung17,4 %

Das Einzugsgebiet des Sees beträgt 31 Quadratkilometer. Rund die Hälfte dieser Fläche wird durch die Landwirtschaft genutzt. Von den grösseren Schweizer Seen ist der Pfäffikersee derjenige mit dem zweithöchsten Siedlungsanteil im Einzugsgebiet.

Durch den hohen Anteil der Landwirtschafts- und Siedlungsflächen sind - besonders früher - viele Nährstoffe in Form von Dünger in den See gelangt und haben das Ökosystem belastet. (1) (2)

Das Einzugsgebiet des Pfäffikersees ist stark durch den Menschen geprägt

Problem der Überdüngung

Dünger enthält Nährstoffe für Pflanzen. Durch einen zu hohen Nährstoff-Anteil im See können sich Algen zu schnell ausbreiten.

„Ein See ist eine sehr effiziente Wasserreinigungsanlage, indem die Algen die Nährstoffe entfernen“

— Webseite der Vereinigung Pro Pfäffikersee

— Webseite der Vereinigung Pro Pfäffikersee

Auf den ersten Blick scheint das positiv. Es entstehen mehr Pflanzen und somit mehr Nahrung für die Tiere, die sich von den Pflanzen ernähren. Doch wenn von aussen zusätzliche Nährstoffe zugeführt werden, wird der Kreislauf gestört.

Was geschieht, wenn es zu viele Nährstoffe im See gibt?

1 Zusätzliche Nährstoffe / Dünger gerät in den See (Eutrophierung des Sees)
1 Zusätzliche Nährstoffe / Dünger gerät in den See (Eutrophierung des Sees)
2Es entsteht ein Algenteppich und immer weniger Licht dringt in die unteren Schichten des Sees.
2 Es entsteht ein Algenteppich und immer weniger Licht dringt in die unteren Schichten des Sees.
3Pflanzen aus den unteren Schichten sterben ab und sammeln sich am Boden des Sees.
3 Pflanzen aus den unteren Schichten sterben ab und sammeln sich am Boden des Sees.
4Dort werden Sie abgebaut, was eine grosse Menge an Sauerstoff verbraucht.
4 Dort werden Sie abgebaut, was eine grosse Menge an Sauerstoff verbraucht.
5Tiere am Seeboden haben zu wenig Sauerstoff und ersticken.
5 Tiere am Seeboden haben zu wenig Sauerstoff und ersticken.
6Die gesamte Nahrungskette wird gestört
6 Die gesamte Nahrungskette wird gestört

Eine Überdüngung hat weitere Auswirkungen. Auch das Schilfsterben wird damit in Zusammenhang gebracht. Tiere, die einen sauerstoffreichen Lebensraum bevorzugen, werden durch andere Arten ersetzt. Eine Überdüngung gefährdet zum Beispiel Forellen oder Steinkrebse. (4) (6)

Überdüngung

Nicht nur der Kunstdünger ist ein Problem für den See. Auch Gülle durch Vieh, häusliches Abwasser oder Pflanzennährstoffe aus Kompostierungen haben dem Pfäffikersee zugesetzt. (3)

Forscher haben das Sediment am Pfäffikersee untersucht festgestellt, dass der Anteil des Phosphors im See immer wieder stark erhöht war. Das Phosphor stammte aus Abwasser und Düngemittel. Besonders in diesen drei Jahren war die Konzentration stark erhöht:

1715

Durch den Torfabbau und die Entwässerungsgräben

1840

Durch die beginnende Industrialisierung und ungereinigtes Abwasser

1960

Durch die rasant zunehmende Besidlung

Das Pfäffikerseeufer im Jahr 1949. Zu diesem Zeitpunkt ist die Umgebung bereits sehr besiedelt. Im Jahr zuvor, 1948, wurde die Pfäffikerseelandschaft mit einer Verordnung unter Schutz gestellt. Die Besiedelung am Ufer wurde damit eingeschränkt, doch…
Das Pfäffikerseeufer im Jahr 1949. Zu diesem Zeitpunkt ist die Umgebung bereits sehr besiedelt. Im Jahr zuvor, 1948, wurde die Pfäffikerseelandschaft mit einer Verordnung unter Schutz gestellt. Die Besiedelung am Ufer wurde damit eingeschränkt, doch in den Hanganlagen entstanden danach noch weitere Quartiere. Das Abwasser der Siedlungen führte zu weiteren Abwassern, was zur Überdüngung des Sees beigetragen hat.Bildquelle: Creative Commons-Lizenz CC BY-SA, A. Gubler, Bernhard: "Pfäffikon (ZH)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000122/2010-01-18/
Pfäffikersee

Phosphor-Konzentration im Pfäffikersee

Die gestrichelte Linie zeigt den kantonalen Richtwert, der nicht überschritten werden sollte. Ab den 80er-Jahren konnte die Phosphor-Konzentration dank diverser Sanierungsmassnahmen stark reduziert werden und seit 1999 liegt die Phosphor-Konzentration immer unterhalb des Richtwerts. (6, Bundesamt für Umwelt BAFU)

Sauerstoffmangel

Ein tiefer Sauerstoffgehalt ist eine direkte Folge der Überdüngung. Die vielen pflanzlichen Sedimente, die durch die Überdüngung entstanden sind, zehren noch heute an den Sauerstoffvorräten des Sees.

Aus diesem Grund waren im Jahr 1930 die Felchen im Pfäffikersee ausgestorben. Es gab mehrere Versuch aus der Politik und von Privaten, die Felchen mit Hilfe von Fischzuchtanlagen wieder anzusiedeln. Erst seit der Mitte der 80er-Jahre haben sich die Bestände wieder erholt. Der Fischbestand hat sich stark verändert, heute gibt es vor allem karpfenartige Fische im Pfäffikersee.

Zwischen 1950 und 1970 gab es im Sommer ab 3.5 Meter kaum mehr Sauerstoff unter der Wasseroberfläche. Ein Leben unterhalb dieser 3.5 Meter war nicht mehr möglich. Seither hat sich die Sauerstoffkonzentration verbessert. Weiter unten sind die getroffenen Massnahmen aufgeführt, die zu dieser Verbesserung beigetragen haben. Die Sauerstoffmenge ist heute aber noch nicht ganz auf dem gewünschten Niveau. (7) (8)

Pfäffikersee

Sauerstoffkonzentration am Pfäffikersee seit 1950

Die schwarzen Flächen stehen für die Ausdehnung der sauerstoffarmen Bereiche im See mit weniger als 4 Milligram Sauerstoff pro Liter Wasser. Der Sauerstoffmangel ist vor allem im Sommer ein Problem, wenn auch in den höheren Seeschichten wenig Sauerstoff vorhanden ist und sich der Lebensraum für die Tiere somit verkleinert (7, AWEL)

Getroffene Massnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität

Es ist nicht einfach, die Konzentration der Nährstoffe im See zu senken und den Sauerstoffanteil zu erhöhen. Denn die Nährstoffe, die durch die Algen angenommen wurden, werden mit der Zeit langsam wieder freigesetzt. Die Sanierungs des Pfäffikersees dauerte deshalb viele Jahre. Folgende Massnahmen wurden getroffen:

Belüftungsanlage

Zur Erhöhung der Sauerstoffkonzentration wurde 1958 am Pfäffikersee eine erste Belüftungsanlage installiert. Diese entstand auf Privatinitiative und lief bis 1962. Dazu wurden Schläuche an Bojen befestigt, welche zum Seegrund führen. Das Wasser wurde aus der Tiefe nach oben gepumpt und mit Luft angereichert. Leider war die Wirkung nicht so stark wie erhofft. Später wurde die Zirkulation des Sauerstoffs mit Pressluft verbessert. (8) (9)

Zirkulationsunterstützungsanlage

Im Jahr 1992 wurde eine Zirkulationsunterstützungsanlage in Betrieb genommen. Pro Jahr gab es eine volle Zirkulation des gesamten Seewassers, wobei das Tiefenwasser mit Sauerstoff angereichert wurde. Da sich die Sauerstoffwerte positiv entwickelt haben, wurde der Betrieb der künstlichen Anlage im Jahr 2011 eingesetellt. (5) (6) (7)

Weitere Massnahmen

Wirksamkeit der Massnahmen

Die Algenmenge am Pfäffikersee hat in den letzten Jahren abgenommen, was auf eine "Genesung" hindeutet. Auch die aktuellen Phosphor-Messungen sind positiv.

Dennoch ist im Sommer ab einer Tiefe von 7 Meter unter Wasser meistens nicht genug Sauerstoff für Fische vorhanden. Durch Wetter-Ereignisse wie Niederschlagsperioden nach Trockenheit kommt es ebenfalls immer wieder zu Sauerstoff-Mangel, zum Beispiel im Jahr 2019. Noch heute können sich Felchen in weiten Teilen des Pfäffikersees nicht natürlich fortpflanzen, da es zu wenig Sauerstoff gibt. Es gibt aber Hoffnung, dass eine natürliche Fortpflanzung in Zukunft wieder möglich sein wird.

Um den Sauerstoffgehalt auf ein gesundes Niveau zu bringen, muss der Phosphorgehalt um weitere 10% reduziert werden, das in den nächsten Jahren möglich sein sollte.

Badewasserqualität

Gemäss den Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat der Pfäffikersee eine ausgezeichnete Badewasserqualität.

Quellen

  1. Arealstatistik 92/97 GEOSTAT

  2. Datengrundlagen: EEA (2010), BAFU (2013), Stand 2006

  3. Seesanierung [Internet]. Pro Pfäffikersee. [zuletzt aufgerufen am 6. Dezember 2020]. Verfügbar unter: https://www.xn--propfffikersee-9hb.ch/see-oekosystem/articles/seesanierung.html

  4. Fritz G. Hintergrund: Was passiert bei Überdüngung? [Internet]. Planet Schule. 2008 [zuletzt aufgerufen am 6. Dezember 2020]. Verfügbar unter: http://www.planet-schule.de/wissenspool/lebensraeume-im-see/inhalt/hintergrund/kreislaeufe-im-see/was-passiert-bei-ueberduengung.html

  5. BAFU B für U. Wasserqualität der Seen [Internet]. 2020 [zuletzt aufgerufen am 6. Dezember 2020]. Verfügbar unter: https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/thema-wasser/wasser--fachinformationen/zustand-der-gewaesser/zustand-der-seen/wasserqualitaet-der-seen.html

  6. Der Pfäffikersee - Zustand bezüglich Wasserqualität [Internet]. Bundesamt für Umwelt BAFU, Abteilung Wasser; 2016 Juli. Verfügbar unter: https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/wasser/fachinfo-daten/Wasserqualität_Seen_Pfäffikersee_-_P033-0923.pdf.download.pdf/Wasserqualität_Seen_Pfäffikersee_-_P033-0923.pdf

  7. Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL). Pfäffikersee [Internet]. Verfügbar unter: https://www.hw.zh.ch/chemie/see/03_Be.pdf

  8. Pfäffikersee [Internet]. oliver-weyl.ch. [zuletzt aufgerufen am 6. Dezember 2020]. Verfügbar unter: http://www.oliver-weyl.ch/pfaeffikersee.html

  9. Gewässerschutz [Internet]. Pro Pfäffikersee. [zuletzt aufgerufen am 6. Dezember 2020]. Verfügbar unter: https://www.propfäffikersee.ch/see-oekosystem/articles/gewaesserschutz.html