Einführung
Das Ufer des Pfäffikersees ist eine Schatzkammer für die Archäologie. Ausgrabungen von alten Pfahlbauersiedlungen, Textilien, Tierskeletten und antiken Werkzeugen haben regelmässig weltweit Beachtung gefunden.
Entstehung des Sees
(Eiszeit, 115.000 v.Chr. - 10‘000 v.Chr. )
Während der letzten Eiszeit (Würm-Eiszeit) lag am Standort des heutigen Pfäffikersees der Linth-Rhein-Gletscher. Die Eiszeit erreichte ihr Maximum vor etwa 20'000 Jahren. Mit wenigen Ausnahmen war damals die ganze Region vom Eis bedeckt. Der Gletscher formte eine Mulde, die sich mit Wasser füllte, als das Eis langsam verschwand. Früher war die Seefläche noch deutlich grösser als heute. Durch das vom Gletscher transportierte Gesteinsmaterial wurde der Mulde teilweise zugeschüttet.
Noch heute findet man grosse Gesteinsbrocken, die damals vom Gletscher in die Gegend transportiert wurden. Bekannt ist der grosse rote Ackerstein am Seeufer. Der Sernifit wurde bei Kanalisationsarbeiten entdeckt und stammt ursprünglich aus dem Glernerland. Mit einem Kran transportierte man den entdeckten Stein an seinen heutigen Standort.
Aus der Eiszeit gibt es leider kaum Funde und Erkenntnisse über die Lebenszustände der Menschen. Man weiss aber, das Mammuts durch das heutige Pfäffikerseegebiet gezogen sind. Im Jahr 1959 entdeckten Arbeiter beim Witzberg den Halswirbel eines Mammuts, später wurde auch ein Backenzahn gefunden. (6)



Dieses massive Gestein wurde durch den Linth-Gletscher vom Glarnerland an den Pfäffikersee transportiert.
Aufnahme von Roland Fischer, Zürich (Switzerland) via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Erste Jäger am Seeufer
(Mittelsteinzeit, etwa 8000 v.Chr.)

Dank Funden von Feuersteinwerkzeugen weiss man heute, dass sich bereits früh Jäger rund um den Pfäffikersee aufgehalten haben.
Bereits in der Mittelsteinzeit vor 10'000 Jahren kamen Jäger und Sammler in das Gebiet des Pfäffikersees und errichteten an verschiedenen Orten am Rande des Sees ihre Lagerplätze. Der Gletscher hat sich zurückgezogen und rund um den Pfäffikersee entstanden Wälder. Die Menschen ernährten sich von Beeren, Pilzen und Pflanzen, von der Jagd auf Hirsche und Wildschweine sowie dem Fischfang.
Pfahlbauer
(Jungsteinzeit, etwa 5000 v.Chr.)
Während der Jungsteinzeit wurde das Gebiet um den Pfäffikersee durch Pfahlbauer besiedelt. Das Ried wurde durch die Landwirtschaft beackert und Vieh gezüchtet. Mit Brandrodungen wurde das Gebiet bewohnbar gemacht. Es enstanden kleinere Dörfer, sogenannte Pfahlbauer-Siedlungen. Aus der damaligen Zeit hat man heute zahlreiche Funde der Siedlungsresten. Der Bauernsohn Jakob Messikommer erlangte durch seine Erforschung der Pfahlbausiedlungen im Robenhauser Ried grosse Bekanntheit. (1) (3) (4) (8)
Berühmte Pfahlbau-Siedlung von Robenhausen
Seit dem Jahr 1858 untersuchte Jakob Messikommer die Fundestelle einer Feuchtbodensiedlung im Torfmoor von Robenhausen. Während fast 60 Jahren widmete sich Messikommer der Fundstelle, die so eine internationale Bekanntheit erreichte. Messikommer verpackte die Fundstücke und verkaufte diese, um die Ausgrabungen zu finanzieren. Heute findet man auch einige der Fundstücke im British Museum in London. Interessierte aus der ganzen Welt besuchten damals die Ausgrabungsstätte. Auch die ausergewöhnlichen Funde von Textilien und organischen Resten machen die Fundstelle interessant für die Archäologie.

![Interessierte versammeln sich um eine Ausgrabungsstätte. (Bildquelle: Pfahlbaute Robenhausen d. 28. Juni 1891. [Schweiz], 1891. Zentralbibliothek Zürich, ZH, Robank u. Robenhausen I, 1, https://doi.org/10.7891/e-manuscripta-47307 / Public Domain Mar…](/media/e658043fcf-1521027-maximum.jpg)
![Eine weitere Aufnahme der ehemaligen Pfahlbaute Robenhausen. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1888. (Bildquelle: [Zürich] : Orell Füssli, 1885. Zentralbibliothek Zürich, ZH, Robenhausen I, 5, https://doi.org/10.3931/e-rara-50643 / Public Domain Mark)](/media/e482007935-vor_langer_zeit_am_see_1890.jpg)
Die entdeckte Pfahlbauersiedlung im Ried von Robenhausen war von etwa 3800 v.Chr. bis 100 v.Chr. bewohnt. Bis heute ist umstritten, ob die Siedlung mit Pfählen über dem Wasser gebaut wurde oder die Häuser im Moor standen und periodisch überschwemmt wurden.
Besonders der Fund einer Türe hat grosses Interesse ausgelöst. Mit einem Alter von über 5500 Jahren handelt sich dabei um eine der ältesten erhaltenen Türen in ganz Europa. Die Türe wurde in die Sammlung des Schweizerischen Landesmuseum aufgenommen. (8) (9) (10)


Rekonstruktionszeichnung der Türe von Robenhausen. Bildquelle: Baudirektion Kanton Zürich, Amt für Raumentwicklung - Archäologie und Denkmalpflege
Um die Arbeit von Jakob Messikommer zu würdigen, wurde eine Eiche nach ihm benannt und ein Denkstein im Robenhauser Ried gewidmet. Das Bild stammt aus dem Jahr 1947.


Siedlung Pfäffikon-Burg
Im Jahr 1997 wurden die Reste einer Siedlung aus dem 31. Jahrhundert v.Chr. entdeckt. Es handelt sich um drei kleine Dörfer, von denen Herdstellen, Stützpfosten und diverse Werkzeuge (Gefässe, Beile, ...) gefunden wurden. Auch Knochen wurden bei Ausgrabungen entdeckt.


Während der Jungsteinzeit war die Siedlung am Pfäffikersee vermutlich auf die Produktion von Steinbeilen spezialisiert und hat diese Güter womöglich auch mit anderen Siedlungen getauscht.

Die Steine wurden genutzt, um den Wald zu roden und Baumstämme für den Bau von Häusern zu präparieren. Auch wurden diverse Werkzeuge für die Landwirtschaft produziert, zum Beispiel Sicheln und Pflüge. Das gefundene Material ist sehr gut erhalten, denn unter dem Grundwasserspiegel herrschen sehr gute Bedingungen, um die Fundgegenstände vor dem Zerfall zu bewahren. (10)

Die Bauern hatten damals das Pfäffikerseegebiet für den Anbau von Gersten und Weizen genutzt, sie assen Fische und sammelten Beeren. Die Menschen hielten auch Nutztiere und Haustiere, die Zucht von Ziegen schien eine wichtige Rolle gespielt zu haben.
Ende der Seeufersiedlungen
(Frühbronzezeit, 2200 bis 1550 v.Chr.)
Ab der Frühbronzezeit sind die Siedlungen am Seeufer zurückgegangen. Nicht nur am Pfäffikersee, sondern in der ganzen Schweiz. Während der Mittelbronzezeit war das Seeufer in Pfäffikon vermutlich unbewohnt. Erst ab etwa 1050 v. Chr. folgte nochmals eine Phase der Seeufersiedlungen, die einige Jahrhunderte anhielt und auch durch Funde am Robenhhauser Ried aus der Spätbronzezeit belegt ist. (10)
Römische Villen
(1. Jahrhundert)
Am heutigen Standort des Römerkastells Irgenhausen stand früher eine römische Villa. Rund um den Pfäffikersee wurden noch drei weitere römische Villen entdeckt, die wohl zwischen 50 und 100 nach Christus entstanden sind. (12)
Kastell Irgenhausen
(4. Jahrhundert)
Das Kastell wurde von Römern als Befestigungsanlage gegen die Germanen gebaut und sicherte damals eine wichtige Verbindungsstrasse (Vitudurum-Chur, der Gotthard war damals noch unpassierbar). Das Kastell ist etwa ein halber Kilometer vom See entfernt. Die Region um Irgenhausen gehörte damals zur Provinz Maxima Sequanorum. Das Kastell wurde im 4. Jahrhundert gebaut, wurde aber bereits im 5. Jahrhundert wieder aufgegeben und anschliessend bei einem Angriff durch die Alemannen zu grossen Teilen zerstört.

Das Kleinkastell Irgenhausen zählt heute zu den besten erhaltenen Kastellen in der Ostschweiz.



Im 19. Jahrhundert wurden umfangreiche Grabungen durchgeführt und das Kastell wurden teilweise rekonstruiert. 1856 wurde der erste Eckturm ausgegraben und dabei auch diverse Münzen und Geweih entdeckt. Um das Jahr 1900 wollte man das Kastell abreissen und mit dem Gestein eine Fabrik bauen. Die Nordmauer wurde bereits abgebrochen. Doch dann ging das Gelände für CHF 3000 in den Besitz der Antiquarischen Gesellschaft Zürich über. Damit konnte ein Teil des Kastells bis heute erhalten bleiben und es wurde vollständig ausgegraben. Ansatzweise hat man versucht, mit dem damaligen Baumaterial den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Seit 1909 seht das Kastell unter Schutz und ist seit 1597 im Besitz der Gemeinde Pfäffikon. (11)

Allemanische Besiedlung
( 7. und 8. Jahrhundert)
Nach dem Rückzug der Römer aus der Schweiz kamen mit der Zeit die Alemannen in das Gebiet des Pfäffikersees und besiedelten es. Die damals ansässige helvetische Bevölkerung wurde nicht vertrieben. Es gab auch vermehrt Siedlungen, die nicht direkt an einem See oder Bach lagen. Stattdessen erstellte man Ziehbrunnen, um an Wasser zu gelangen. Die Bediedlung durch die Alemannen konnte durch Grabfunde belegt werden. (5) (12)